Was ist die Erkrankung Dickdarmkrebs?

Es handelt sich um einen der weltweit am häufigsten auftretenden bösartigen Tumoren, dessen Ausgangspunkt die Dickdarmschleimhaut darstellt.

Wodurch wird Dickdarmkrebs verursacht?

Rund 10% aller Dickdarmkarzinome entstehen auf Basis einer genetischen Prädisposition, während 90% aller Tumoren sporadisch (d.h. ohne genetische Veranlagung) auftreten. Letztere entstehen nicht in der gesunden Dickdarmschleimhaut sondern meist über einen Zeitraum von mehreren Jahren über Dickdarmpolypen (Adenom-Karzinom-Sequenz), wobei folgenden Faktoren als prädisponierend (wegbereitend) erachtet werden:

  • Lebensalter ab 50 Jahren
  • Ungesunde Ernährung (fettreiche, ballastsoffarme Kost, wenig Obst und Gemüse)
  • Bewegungsmangel
  • Übergewicht
  • Rauchen und übermässiger Alkoholkonsum

Ein konkret erhöhtes Risiko für die Entstehung eines Dickdarmkarzinoms besteht bei:

  • Dickdarmpolypen, wobei das tatsächliche Krebsrisiko jedoch wesentlich von der Grösse und Art/Wuchsform des Polypen abhängt.
  • Familäre Belastung (etwa 3-fach erhöhtes Risiko bei Dickdarmkrebserkrankung eines Verwandten 1.Grades)
  • Langfristig bestehende chronisch entzündliche Darmerkrankungen (Colitis ulcerosa bzw. Morbus Crohn)
  • Typ 2-Diabetes (Blutzuckererkrankung); vermutlich bedingt durch die wachstumsfördernde Wirkung des Insulins, besteht in Relation zur Normalbevölkerung ein dreifach erhöhtes Risiko für Darmkrebs
  • Zustand nach Dickdarmkrebsoperation
    Genetische Prädisposition (seltene erbliche Syndrome, die iein extrem hohes Erkrankungsrisiko implizieren: z.B. familiäre adenomatöse Polypose, Lynch-Syndrom).

Wie kann man Sie erkennen?

Dickdarmkarzinome bestehen meist sehr lange ohne jegliche Beschwerden zu verursachen. Zu den meist uncharakteristischen Frühsymptomen zählen:

  • Länger anhaltende Stuhlunregelmässigkeiten (Verstopfung und/oder Durchfall)
  • Blutbeimengungen im Stuhl
  • Bauchschmerzen
  • Müdigkeit/Abgeschlagenheit (infolge Blutarmut durch chronische Darmblutungen)

Untersuchungsmöglichkeiten?

Zur Diagnosesicherung: Kolonoskopie (Darmspiegelung) mit Entnahme einer Gewebeprobe. Eine virtuelle Darmspiegelung (CT-Colographie) oder Kontrastmittel-Einlauf (Irrigoskopie) bieten sich alternativ nur dann an, wenn eine vollständige Kolonoskopie nicht möglich ist.

Zur Erfassung des Tumorstadiums/Ausschluss von Metastasen: Computertomographie (CT) von Lunge und Bauch/Beckenorganen

Spezielle Untersuchungen im Einzelfall:

  • Endosonographie (Darmspiegelung mit einer Ultraschallsonde bei Mastdarmkrebs)
  • Magnetresonanztomographie (MRT) des Beckens bei Mastdarmkrebs)
  • Positronenemissionstomographie (PET) vor Metastasenchirurgie
  • Intraoperativer Leberultraschall um etwaige -mittels konventionell bildgebender Verfahren nicht sichtbare- Lebermetastasen lokalisieren zu können.

Wie kann man vorsorgen?

Ernährungs- und Lebensweise:
Ausgewogene Kost, d.h., fettarme, eher fleischarme, ballaststoffreiche Kost
Regelmässige körperliche Betätigung
Vermeidung von Übergewicht
Nichtrauchen und Einschränken des Alkoholkonsums

Medikamentöse Chemoprävention:
Es gibt Hinweise, dass durch langfristige, regelmässige Einnahme von niedrig dosierter Acetylsalicylsäure (Aspirin), bestimmte Entzündungshemmer (Cox-2 Inhibitoren), und Folsäureergänzungen (>400 mcg/Tag) die Häufigkeit des poradischen Dickdarmkarzinoms gesenkt werden kann. Eine generelle Empfehlung kann aufgrund der heutigen Datenlage (u.a. aufgrund von möglichen Nebenwirkungen) dennoch nicht gegeben werden.

Regelmässige Vorsorgeuntersuchungen (ab dem 50.Lebensjahr):
Jährliche Stuhluntersuchungen auf okkultes (nicht sichtbares) Blut
Sigmoidoskopie (Spiegelung des unteren Darmabschnittes) bzw. idealerweise Kolonoskopie (Darmspiegelung) etwa alle 5 Jahre

Wie viele sind betroffen?

Die Gesamtzahl der jährlichen Neuerekrankungen an Dickdarmkarzinom beträgt weltweit 810.000. Dies entspricht 9% aller Krebserkrankungen.Das Lebenszeitrisiko an einem Dickdarmkarzinom zu erkranken beträgt 5-6% und an einem solchen Tumor zu sterben 2.5-3%. Das Erkrankungsrisiko steigt signifikant ab dem 45.Lebensjahr; 70% aller Fälle werden im Alter zwischen 50 und 80 Jahren diagnostiziert. Frauen und Männer sind davon gleichermassen betroffen.Behandlungsmöglichkeiten

War der Tumor bei Diagnosestellung klein und wurde in einem frühen Stadium erkannt, reicht bei vielen Patienten oft eine Operation aus, um eine Heilung zu erzielen. Größere Tumoren lassen sich unter Umständen vor der Operation durch eine Chemotherapie verkleinern, sodass der Eingriff weniger umfangreich gestaltet werden kann. Insbesonders bei Patienten mit Mastdarmkrebs wird -abhängig vom Tumorstadium- mit einer Bestrahlung oder einer Kombination aus Chemo- und Strahlentherapie eine Tumorverkleinerung angestrebt um so auch zu versuchen, den Schließmuskel zu erhalten. Diese vorgeschaltete Behandlung bezeichnet man als „neoadjuvant“. Besteht trotz Operation ein hohes Rückfallrisiko, ist es sinnvoll, den chirurgischen Behandlungserfolg durch eine „adjuvante“ Nachbehandlung zu festigen: Auch dafür eignen sich Chemotherapie, Strahlentherapie oder eine Kombination aus beiden.

Wenn eine Dickdarmkrebserkrankung trotz Operation wieder auftritt oder sich schon bei Erstdiagnosestellung Metastasen im Bauchraum oder in anderen Organen zeigen, bedarf es primär einer Chemotherapie. Für Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung spielen heute neue Medikamente eine zunehmende Rolle, die gezielt den Stoffwechsel von Tumorzellen beeinflussen. Sie ergänzen die verschiedenen Möglichkeiten, mit einer Chemotherapie das Tumorwachstum aufzuhalten. Einzelne Metastasen lassen sich nach vorgeschaltener internistisch-onkologischer Behandlung unter Umständen herausoperieren.

Innovative experimentelle Therapieverfahren werden in klinischen Studien erprobt, zum Beispiel neue Arzneimittel oder neue Kombinationen bereits bekannter Medikamente bzw. Methoden: Sie eröffnen Patienten unter Umständen bessere Erfolgschancen, auch wenn sich zu neuen Medikamenten und Verfahren in diesem Stadium noch nicht alle Fragen beantworten lassen.

Zur Krebsbehandlung gehört auch die Linderung krankheits- und therapiebedingter Beschwerden. Deshalb hat zum Beispiel die Schmerztherapie einen großen Stellenwert in der Darmkrebsbehandlung. Kommt es bei Patienten zu tumorbedingten Verengungen oder Verschlüssen des Dickdarms, wird man nach Möglichkeit die Darmpassage wieder herstellen.

Chemotherapie (=Zytostatika), die bei Dickdarmkrebs verwendet werden:

Infusionen:

  • 5-Fluorouracil (kurz: 5-FU)
  • Oxaliplatin
  • Irinotecan

Tabletten:

  • Capecitabine
  • Tegafur und Uracil

Antikörper (Infusionen):

  • Bevacizumab
  • Cetuximab
  • Panitumumab