Psychoonkologie – Psychotherapeutische Behandlung bei Krebs

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Die spezifische Situation krebskranker Menschen

Jede körperliche Erkrankung hat Auswirkungen auf das emotionale Gleichgewicht der betroffenen Person. Gerade eine Krebserkrankung führt bei vielen Menschen zu einer massiven Störung des emotionalen Gleichgewichtes.

Obwohl viele Krebsarten mittlerweile gut behandelbar und heilbar sind, löst die Diagnose Krebs bei den meisten Betroffenen zunächst eine tiefe psychische Krise aus. Die bisherigen Lebensperspektiven werden brüchig und ungewiss. Es kommt zu Unsicherheiten in Bezug auf den Umgang mit der Erkrankung und dem medizinischen System. Neben den körperlichen Beeinträchtigungen sind die Betroffenen mit einer Reihe sozialer und psychischer Belastungen konfrontiert.

Die erste Zeit nach der Diagnosemitteilung ist von großer Unsicherheit geprägt. Die Betroffenen stellen sich eine Reihe von Fragen, auf die sie nicht immer eine Antwort bekommen:

  1. „Woher ist das gekommen und wie wird es weitergehen?“
  2. „Wie soll ich das alles durchstehen?“
  3. „Wird meine Familie damit zurechtkommen?“
  4. „Ist das der die richtige Ärztin / der richtige Arzt und die richtige Behandlung für mich?“
  5. „Was kann ich selbst zur Verbesserung meiner Situation beitragen?“

Jedoch auch im Krankheitsverlauf kann es immer wieder zu zusätzlichen Belastungen und Krisen kommen. Das Sprechen über die Krankheit fällt meist allen Beteiligten schwer, sodass viele Patienten mit Ihren Sorgen und Ängsten alleine bleiben. Viele wollen auch niemanden mit Ihren Problemen belasten und versuchen nach außen hin so zu tun also ob nichts wäre.

Psychotherapie bei Krebs

Wir wissen heute, dass es nicht nur auf die subjektiv wahrgenommenen Belastungen ankommt, sondern vor allem darauf, welche Ressourcen für die Bewältigung der Situation zur Verfügung stehen.

Psychotherapie kann Krebs nicht heilen, doch eine psychotherapeutische Behandlung kann Menschen in dieser schwierigen Situation unterstützten und ihnen helfen einen Weg aus der Krise zu finden. Der Genesungsprozess kann dabei positiv beeinflusst werden.

Das Hauptziel der psychotherapeutischen Behandlung besteht darin, die Patienten bei der Bewältigung der bereits bestehenden, zu erwartenden oder befürchteten Belastungen zu unterstützen.

Dabei gibt es Strategien, die sich eher günstig auswirken und andere die eher vermieden werden sollten. Eine eher aktive und optimistische Grundhaltung, gepaart mit der Bereitschaft sich über die Erkrankung und die Therapie genau zu informieren werden eher als positiv betrachtet. Genau so wichtig ist es aber auch, sich mit den auftretenden Gefühlen, wie Angst und Unsicherheit auseinander zu setzen und sich Schwächen einzugestehen. Dazu gehört auch die Fähigkeit, Hilfe und Zuwendung annehmen zu können. Eher abzuraten ist davon, sein Gefühle zu unterdrücken, sich zurückzuziehen und sich fatalistisch in sein Schicksal zu fügen. Perfektionismus und Zwang sollten ebenfalls vermieden werden.

Die Krankheitsverarbeitung verläuft nicht linear sondern phasenhaft. Optimismus, Zorn und Wut, Depression, Aggression und auch Resignation wechseln einander ab. Die Anpassung an die subjektive Bedeutung, die die Erkrankung für den Einzelnen hat vollzieht sich schrittweise und dauert je nach den wahrgenommenen Belastungen einige Wochen bis Monate. Je mehr Ressourcen mobilisiert werden können und je mehr Unterstützung aus dem sozialen Umfeld kommt, desto eher kann das emotionale Gleichgewicht wieder hergestellt werden.

Die Methoden der psychotherapeutischen Behandlung bei Krebs sind:

  • Information
  • Entlastenden und unterstützende Gesprächspsychotherapie
  • Imagination und Entspannungsübungen
  • Gruppentherapie
  • Angehörigenberatung
  • Krisenintervention

Die Wahl der Methode richtet sich ganz nach den Bedürfnissen des Betroffenen und orientiert sich an den wahrgenommenen Belastungen und der individuellen Bewältigungskapazität. Es gibt kein Rezept, das für alle passt, sondern es geht vielmehr darum für jeden ein individuell maßgeschneidertes Programm zu entwickeln.

Wann sollte man eine psychotherapeutische Behandlung in Anspruch nehmen?

  • Möglichst bald nach der Diagnosemitteilung.
  • Wenn man sich hilflos oder überfordert fühlt.
  • Wenn man die Tendenz verspürt sich zurückzuziehen.
  • Wenn man niemanden belasten will.
  • Wenn zusätzliche Belastungen auftreten.

Die psychotherapeutische Behandlung führt zu:

  • einer Verringerung von Angst und Depression
  • Steigerung der persönlichen Bewältigungskapazität
  • Wiedergewinnen von Lebensqualität
  • Steigerung der Wirksamkeit medizinischer Behandlungen

Univ. Ass. Mag. Dr. Birgit Hladschik-Kermer

Klinische und Gesundheitspsychologin
Psychotherapeutin – Logotherapie und Existenzanalyse
Supervisorin
Institut für medizinische Psychologie
Medizinische Fakultät der Universität Wien
Severingasse 9
1090 Wien
Praxis:
Krottenbachstrasse 68/16
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Tel: 0043 699 14063494
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